Drainageimplantate

Bei Augen mit Glaukom, die schon mehrere Operationen gehabt haben, sind die operativen Möglichkeiten häufig eingeschränkt aufgrund von Vernarbungen an der Bindehaut und traditionelle Verfahren wie die Trabekulektomie und minimalinvasive Stent-Verfahren haben nur geringe Erfolgsaussichten. In diesen Fällen kann man entweder auf ein zyklodestruktives Verfahren wie die Zyklokryo- oder Zyklophotokoagulation zurückgreifen oder ein größeres Drainageimplantat einsetzen. 

Die Operation ist deutlich aufwändiger als andere Verfahren, hat aber bessere Erfolgsaussichten mit höherer Drucksenkung bei allerdings auch höheren Risiken für Nebenwirkungen. Es gibt verschiedene Arten von Drainageimplantaten, namentlich das Ahmed-, Molteno- und Baerveldt Implantat. Ich bevorzuge allerdings das neue Paul Implantat. 


Paul-Implantat

Das Paul-Implantat wird eingesetzt, um den intraokularen Druck durch eine kontrollierte Drainage des Kammerwassers zu senken. Es ist seit 2018 einsetzbar und wurde in Singapur entwickelt. 

Das Implantat verfügt über eine spezielle Struktur, die sowohl eine effiziente Drainage ermöglicht als auch das Risiko von Hypotonie reduziert. Die Abflussplatte wird zwischen dem oberen und äußeren geraden Augenmuskel platziert und bietet mit dem daran befestigten Schlauch eine breite Abflussmöglichkeit für das Kammerwasser aus dem Auge. Der Schlauch, der in die Vorderkammer ragt und Kammerwasser unter die Bindehaut ablaufen lässt ist deutlich dünner als bei den bisherigen Implantaten (0,467 mm im Vergleich zu 0,63 mm Außendurchmesser bei Ahmed und Baerveldt) Dadurch entstehen weniger Komplikationen durch den Schlauch im vorderen bereich des Auges. Es wird häufig bei Patienten eingesetzt bei denen andere Operationen nicht mehr geeignet sind. Durch seine hohe Flexibilität des Materials ist eine gute Anpassungsfähigkeit an den Augapfel vorhanden. Das Paul-Implantat ist daher häufig eine gute Lösung für sehr komplexe Glaukomfälle.


Eyewatch-Implantat

Das neue Eyewatch Implantat der Schweizer Firma Rheon ist das erste Abflussimplantat mit einem steuerbaren Magnetventil. Dies ermöglicht erstmals eine Einstellung des Abflusswiderstandes und damit präzise Einstellung des Abflusses von Kammerwasser aus dem Auge. In der unten gezeigten Schemazeichnung kann man den Implantatansatz mit dem Ventilmechanismus, der in die Vorderkammer eingesetzt wird sehen sowie die dahinter angegliederte Abflussplatte - ähnlich dem Paul Implantat. Das Magnetventil kann von außen durch die geschlossene Bindehaut auch nach Einheilung mit einem Magnetstift eingestellt und der Durchfluss damit verändert werden. Dies ermöglicht erstmals eine justierbare Abflusseinstellung, die auch noch nach Jahren einstellbar ist. Trotz des Magnet-Ventilsystems kann auch ohne Probleme eine MRT Untersuchung durchgeführt werden. 

Wir sind das erste Zentrum in Deutschland nördlich des Rheins, die dieses System erfolgreich einsetzen. Aufgrund des großes Aufbaus des Gesamtsystems ist dieses nur bei ausreichend weiter Lidspalte implantierbar.