Minimalinvasive Stents

Seit einigen Jahren gibt es verschiedene minimalinvasive chirurgische Therapieansätze. (MIGS = Minimalinvasive Glaukomchirurgische Verfahren) Aktuell wird in der Augenklinik Asklepios Nord die Implantation des XEN-Gel-Stents, iStent-inject w, Hydrus-Stents, Preserflo-Stents  sowie des  Miniject-Stents durchgeführt. Damit sind wir eine der wenigen Kliniken überhaupt, die alle in Deutschland zugelassen minimalinvasiven Stentverfahren mit großem Erfahrungsschatz von mehreren Hundert Operationen pro Jahr regelhaft anbieten. 


XEN-Gel-Stent

 

Es handelt sich hierbei um ein sechs Millimeter langes kleines Gelatineröhrchen mit einem Innendruckmesser von 45 Mikrometer oder 63 µm, das die überschüssige Flüssigkeit aus dem Auge unter die Bindehaut ableitet und damit den Augendruck senkt. Das Wirkprinzip ist vergleichbar mit der einer Filterkissenoperation. Im Gegensatz zu anderen aufwändigeren operativen Verfahren wird das Auge dabei nur minimal verletzt und die Bindehaut nicht aufgeschnitten. Zudem ist der Eingriff von kurzer Dauer und kann auch in lokaler Betäubung vorgenommen werden. Da der drucksenkende Effekt nicht ganz so hoch wie bei der Trabekekulektomie oder Drainageimplantaten ist, ist dieser Eingriff nicht für alle Glaukomformen geeignet. Erfahrungen mit diesem sehr häufig eingesetzten Stent haben wir seit über 8 Jahren. Die größte Komplikationsgefahr besteht in einer Vernarbung der Abflußzone unter der Bindehaut, die zu einer Revisionsoperation in 20% der Fälle führen kann. Die Vernarbung kann man nur mit Hilfe von antientzündlichen Augentropfen und Spritzen unter die Bindehaut im Verlauf nach der Operation beeinflussen aber leider nicht immer verhindern.

Der XEN Stent wird mit diesem Injektor in das Auge eingesetzt. Der für die Implantation notwendige Schnitt am Auge ist nur 1,4 mm breit. Dies gewährleistet eine minimale Verletzung des Auges und eine schnelle Abheilung.
Der XEN Stent wird mit diesem Injektor in das Auge eingesetzt. Der für die Implantation notwendige Schnitt am Auge ist nur 1,4 mm breit. Dies gewährleistet eine minimale Verletzung des Auges und eine schnelle Abheilung.
Implantierter XEN Stent bei Sicht mit einem Kontaktglas
Implantierter XEN Stent bei Sicht mit einem Kontaktglas
Filterkissenbereich nach XEN am oberen Rand der Bindehaut rechts bei 1-2 Uhr
Filterkissenbereich nach XEN am oberen Rand der Bindehaut rechts bei 1-2 Uhr

iStent inject w

Der iStent Inject w ist das kleinste am Menschen zugelassene Implantat mit 0,4 mm Länge und 0,25 mm Breite und besteht aus Titan. Die winzigen Implantate werden direkt in den Abflusskanal (Schlemm-Kanal) eingesetzt. In der Regel werden pro Auge 2 Stents implantiert, die von außen nicht sichtbar sind. Mithilfe der iStents kann das Kammerwasser wieder besser abfließen und der Augeninnendruck wird gesenkt. Da keine Bindehauteröffnung nötig ist, hinterlässt der Eingriff kein Fremdkörpergefühl und wird in der Regel mit der Operation des grauen Stars kombiniert, es sind keine zusätzlichen Schnitte notwendig. Die Drucksenkung ist in Kombination mit der Operation des grauen Stars im mittleren Bereich und sollte so zu einer Reduktion der anzuwendenden drucksenkenden Augentropfen führen.


Preserflo-Stent

Der Preserflo-Stent besteht aus einem festeren Material als der XEN-Stent ("SIBS"-Material). Der Durchmesser sowie die Länge ist auch größer. Bei der Implantation muss im Gegensatz zum XEN-Stent die Bindehaut eröffnet werden, was dieses Verfahren etwas invasiver macht. Das Wirkungsprinzip ist allerdings gleich: Es soll Flüssigkeit aus dem Augeninneren unter die Bindehaut nach außen abgeleitet werden. Die Operation kann in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Der Drucksenkende Effekt ist nur minimal geringer als der einer Trabekulektomie bei geringeren Nebenwirkungen. Auch bei diesem Stent ist eine Vernarbung der Bindehaut die Hauptkomplikation, die man wie beim XEN-Stent mit Hilfe von antientzündlichen Augentropfen und Spritzen unter die Bindehaut versucht zu verhindern. Zur Reduktion von frühen niedrigen Druckwerten wird bei uns in der Klinik regelmäßig ein sogenannter "Drosselfaden" eingesetzt, der den Durchfluss in der frühen postoperativen Phase reduziert. Damit können Komplikationen durch zu niedrige Druckwerte minimiert werden. Der Faden kann ohne Operation jederzeit wieder entfernt werden.  

Schematische Darstellung des Preserflo-Stents mit Maßen oben links, rechts unten optimale Lage im Kammerwinkel
Schematische Darstellung des Preserflo-Stents mit Maßen oben links, rechts unten optimale Lage im Kammerwinkel

Hydrus-Stent

Hydrus Stent, rechts das Inlet, links die drei kleinen Öffnungen, die im Schlemmschen Kanal liegen
Hydrus Stent, rechts das Inlet, links die drei kleinen Öffnungen, die im Schlemmschen Kanal liegen

Der Hydrus-Stent soll den im Kammerwinkel liegenden Schlemmschen Kanal erweitern und einen besseren Abfluss in diesem physiologischen Abflussbereich ermöglichen. Der Stent besteht aus Nickel-Titan und ist 8 mm lang und hat einen Durchmesser von 290 Mikrometer. Er hat an der Spitze ein Inlet für den Flüssigkeitseinstrom sowie 3 kleine Öffnungen durch die Flüssigkeit einströmen kann. Es ist auch hier keine Bindehauteröffnung nötig , der Eingriff hinterläßt keine äußerlichen Spuren am Auge und kann auch gut mit einer Operation des grauen Stars kombiniert werden. Die Drucksenkung ist im mittleren Bereich und sollte zu einer Reduktion der anzuwendenden drucksenkenden Augentropfen führen.

Hydrus-Stent in der Ansicht durch ein Spiegelglas im Kammerwinkel des Auges 1 Monat nach Implantation
Hydrus-Stent in der Ansicht durch ein Spiegelglas im Kammerwinkel des Auges 1 Monat nach Implantation

Miniject-Stent

Miniject. Rechts das patentierte Starflow STAR Material mit Mikroporen zwischen allen Kammern des Stents
Miniject. Rechts das patentierte Starflow STAR Material mit Mikroporen zwischen allen Kammern des Stents

Der Miniject-Stent ist die neueste der vorgestellten MIGS-Verfahren. Der Stent besteht aus einem sehr flexiblen patentierten Starflow-Material, das ist in erster Linie wie Schaumstoff aussieht. Das besondere sind die Verbindungsöffnungen, die Mikroporen, die alle Anteile des Stents für Flüssigkeit durchgängig machen. So kann das gesamte Material Flüssigkeit ableiten. Der Stent benutzt einen anderen Abflussweg als die oben beschriebenen: Es wird weder die Flüssigkeit unter die Bindehaut abgeleitet noch der natürliche Abflussweg im Schlemmschen Kanal optimiert. Der Miniject-Stent leitet die Flüssigkeit in den sogenannten suprachoroidalen Raum ab, der ebenfalls Flüssigkeit weiter ableiten kann. Dieser Stent hat auch den Vorteil, dass die Bindehaut nicht verletzt wird und somit keine Komplikationen durch Vernarbungen der Bindehaut auftreten können. In Norddeutschland war die Augenklinik Nord die erste Klinik, die diesen Stent überhaupt eingesetzt hat. 

Abflusschema: Das Kammerwasser soll hier durch den Stent in den sogenannten suprachoroidalen Raum abgeführt werden und dort resorbiert werden.
Abflusschema: Das Kammerwasser soll hier durch den Stent in den sogenannten suprachoroidalen Raum abgeführt werden und dort resorbiert werden.
Implantierter Stent nach einer Woche. Man sieht den grünen Ring, der gerade noch in der Vorderkammer sichtbar sein soll.
Implantierter Stent nach einer Woche. Man sieht den grünen Ring, der gerade noch in der Vorderkammer sichtbar sein soll.